Landeskirchliches Archiv

Kassel

mehr als 200.000 Dokumente und 1,3 Mio. Digitalisate, 800 n.Chr. - 21. Jahrhundert

„Communicanten, Kommunikation – ein weites Feld“ Eine virtuelle Ausstellung des Landeskirchlichen Archivs Kassel in der Deutschen Digitalen Bibliothek

Unsere Ausstellung bespielt die universale Konstellation des Sendens und Empfangens exemplarisch in ganz unterschiedlichen Zeiten und auf verschiedenen Ebenen. Zu bieten haben wir u.a. neben der Überlieferung der theologischen Komponente beim Abendmahl und diversen Verwaltungsszenarien auch den persönlichen Austausch von Informationen (Grundschüler im Archiv), die Papiervarianten per Post (Briefmarke) und Schreibmaschine sowie Online-Versionen (Kommunikation via Archion.de oder Archivportal-d.de). Über fünf Jahrhunderte werfen wir ein paar Schlaglichter auf dieses Universalthema – Kommunikation ist und bleibt „ein weites Feld“ (Theodor Fontane, Effi Briest).

Zur Ausstellung:

https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/communicanten/ 

https://anh.hypotheses.org/850

https://www.augias.net/ (27.04.2020)

Landeskirchliches Archiv Kassel G 2.9 Nr. 17, Schreibmaschine Leihgabe Peter Heidtmann-Unglaube (Foto Wischhöfer)

Landeskirchliches Archiv zum Tag der Archive 2020 in der Markthalle

Zum bundesweit 10. Tag der Archive präsentierte sich das Landeskirchliche Archiv Kassel zusammen mit den Archiven in Nordhessen am Samstag, den 7. März 2020, an einem gemeinsamen Stand in der Markthalle Kassel. Thomas Gothe und Peter Heidtmann-Unglaube standen als Experten zum Entziffern alter Handschriften bereit und hatten neben Informationen über das Archiv der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck auch Flyer und Give-Aways des Kirchenbuchportals Archion.de im Gepäck.

12.000 Kirchenbücher aus Kurhessen-Waldeck online

Die wichtigste und begehrteste Quelle für die Familienforschung sind die Kirchenbücher. In Kurhessen-Waldeck sind es rund 12.000 Bücher der Kirchengemeinden. Seit 2020 stehen sie im Kirchenbuchportal Archion jederzeit online bereit. Mit der Reformation im deutschsprachigen Raum setzte die Praxis der Kirchenbuchführung ein. In den evangelisch werdenden Landesherrschaften sind Kirchenbücher Verzeichnisse über Taufen, Trauungen, Beerdigungen, aber auch über Konfirmationen und Communicanten, die von Pfarrern meist in chronologischer Reihenfolge geführt wurden. Das älteste Kirchenbuch in unserem Sprengel setzt 1559 in Fambach ein. Kirchenbücher stellen oft die einzigen Aufzeichnungen von Personen dar, da die Eintragungen unabhängig von Stand, Geschlecht und Vermögen gemacht wurden. Sie geben nicht selten Auskunft über Migrationsbewegungen von Glaubens-, Kriegs-, Wirtschafts- und Arbeitsmigranten oder erlauben Aussagen zur Mortalität. Daher sind sie auch sozial- und kulturgeschichtlich hochrangige serielle Quellen.

„16. Mart[ius] ist Jacob, Conrad Schweppeas Seilers_ _Söhnl[ein] getauft worden, d[er] Patte war Jacob Hochhuth.“ Quelle: Landeskirchliches Archiv Kassel, Digitalisate Kirchenkreis Witzenhausen, Kirchenbuch Witzenhausen 1715 bis 1746, Seite 491.

Johann Jakob Schweppe, am 16. März 1740 in Witzenhausen getauft, ließ sich als Goldschmied 1766 in Genf nieder und arbeitete als Bijoutiermeister. Ab 1780 entwickelte er ein Verfahren, bei dem sich Wasser mit Kohlensäure versetzen lässt. Diesen Vorgang ließ Schweppe 1783 patentieren. Er gründete 1790 in Genf mit zwei Partnern eine Fabrik zur Herstellung von Sodawasser, 1792 dann eine Niederlassung in London. Schweppe verkaufte 1802 einen Großteil seines Anteils an englische Industrielle und kehrte nach Genf zurück. Ab 1897 nannte sich das Unternehmen Schweppes.

Die Zukunft findet im Netz statt: Mit Beginn eines Piloten im Herbst 2014 in Kassel und dem Start von Archion.de (Kirchenbücher aller evangelischen Landeskirchen online) im März 2015 wiederum in Kassel werden regelmäßig Kirchenbücher aus Kurhessen-Waldeck online gestellt. Anfang 2020 stehen 1,8 Millionen Doppelseiten bereit und werden auch genutzt. Eine Auswertung der Kirchenbuchportal GmbH zeigte für das Jahr 2018 statistisch eine dreifache Nutzung jeder Seite an. Eine solche Quote hatte der Lesesaal vor Ort nie aufzuweisen. Das Internetportal für Kirchenbücher ist nicht vom Himmel gefallen. Das Landeskirchliche Archiv Kassel war zu jedem Zeitpunkt in die Aktivitäten involviert. Im September 2006 fand eine Fachtagung „Kirchenbuchnutzung in Zeiten von Digitalisierung und Internet“ bei der EKD in Hannover statt, organisiert vom Verband kirchlicher Archive in der Arbeitsgemeinschaft der Archive und Bibliotheken in der evangelischen Kirche (AABevK). 2009 gab es eine erste Anschubfinanzierung durch die EKD, 2011 stimmte der Finanzbeirat der EKD einer zweiten Anschubfinanzierung zu. Ab 2012 wurde mit Fraunhofer IAO ein Gesamtkonzept erarbeitet. Der Finanzbeirat der EKD gewährte 2012 ein Darlehen. Die Kirchenbuchportal GmbH wurde 2013 gegründet werden. Seit März 2015 ist Archion.de auf dem Markt. Es ermöglicht Familienforschern die Suche nach ihren Vorfahren in Originalquellen, weltweit – ortsunabhängig – zeitlich flexibel – bequem von zuhause aus. In diesem Zusammenhang sind zwei Trickfilme entstanden, ein englisch- und ein deutschsprachiger Clip. Sie sind 2017 in Kooperation mit der Kunsthochschule Kassel entwickelt worden (Youtube Kanal, AABevK). Wenn es denn stimmt, dass Archive nicht nur unverzichtbar, authentisch, spannend und einzigartig sind, sondern auch wie Fallschirme – nämlich „nur nützlich, wenn sie sich öffnen“, dann ist das Landeskirchliche Archiv Kassel „in Sachen Familienforschung“ in der richtigen Richtung unterwegs.

Bettina Wischhöfer

Landeskirchliches Archiv Kassel assoziiertes Mitglied der Time Machine Organisation

Die Europäische Kommission hat im Dezember 2018 sechs Forschungsprojekte ausgewählt, um sich als eine der nächsten Milliarden-Euro-Leitinitiativen für die Wissenschaft zu bewerben. Die Kommission wählte die sechs Kandidaten aus einer Liste von 16 Vorschlägen. Im März erhielt jedes Team eine Million Euro, um im nächsten Jahr eine Machbarkeitstudie zu erstellen. Bis zu drei sollen ausgewählt werden, um vollwertige Initiativen zu werden. Die hochkarätigen Projekte zielen darauf ab, paradigmenwechselnde Fortschritte auf ihrem Gebiet zu erzielen. Das geisteswissenschaftliche Time Machine-Projekt kommt als eines von sechs exzellenten Projekten in die nächste Ausarbeitungsphase. Das Projekt will Methoden entwickeln, um etwa die digitale Suche nach historischen Aufzeichnungen in europäischen Städten zu ermöglichen. Ziele sind die Erstellung und Nutzbarmachung großer Datenmengen – Stichwort „Big Data of the past“. Im Rahmen der Time Machine werden neue Formen der Digitalisierung entwickelt und verschiedene Technologien aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz erprobt, um Europas außerordentliches kulturelles Erbe zu heben und den offenen Zugang zu Informationen zu ermöglichen. Inzwischen engagieren sich mehr als 400 europäische Institutionen durch eine Mitgliedschaft, darunter das Bundesarchiv, mehrere Landesarchive, große Museen und Bibliotheken, Universitätseinrichtungen, und nun auch das Landeskirchliche Archiv Kassel. Als Teil eines Netzwerks haben wir direkten Zugang zu Informationen aus erster Hand. Wir verleihen kulturellem Erbe eine Stimme und stärken das Bewusstsein für dieses Thema. Weitere Informationen: https://www.timemachine.eu