Landeskirchliches Archiv

Kassel

mehr als 200.000 Dokumente und 1,3 Mio. Digitalisate, 800 n.Chr. - 21. Jahrhundert

Kulturgutschutz für die Region – Notfallverbund Kassel und Nordhessen gegründet

Um den Schutz von Kulturgütern in Archiven, Bibliotheken und Museen zu verbessern, haben zwölf Institutionen aus Kassel und der Region Nordhessen einen Notfallverbund gegründet, darunter das Landeskirchliche Archiv Kassel. Die Vereinbarung sieht die gegenseitige Unterstützung im Ernstfall oder die Bereitstellung von Ausrüstung für fachgerechte Bergung und Erhaltung der Schätze vor.

Tausende einmaliger Kulturschätze von unersetzlichem Wert lagern in nordhessischen Kultureinrichtungen. Trotz größter Sorgfalt sind sie dort nicht vor Gefährdungen wie Bränden, Wassereinbrüchen oder anderen Katastrophen gefeit.

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Vertreter der zwölf beteiligten Institutionen unterzeichnen am 11. November 2016 im historischen Gießhaus der Universität Kassel den Notfallverbund Kassel und Nordhessen (Foto: Wischhöfer)

Um im Ernstfall schnell und effizient fachlich kompetente Hilfe zu erhalten, haben sich Vertreterinnen und Vertreter von zwölf kulturellen Institutionen zu einem leistungsstarken Netzwerk für den Kulturgutschutz in der Region zusammengeschlossen und am Freitag, 11. November 2016, im historischen Gießhaus der Universität Kassel eine Vereinbarung zur Gründung des „Notfallverbundes Kassel und Nordhessen“ unterzeichnet. Dieser regelt die zur Schadensprävention und Bergung von Kulturgütern  im Not- oder Katastrophenfall notwendigen Maßnahmen und schließt so eine Lücke im allgemeinen Kulturgut- und Katastrophenschutz.

Im September 2013 nahm sich die „Arbeitsgemeinschaft Archive in Nordhessen“ erstmals des Themas an. Eine Info-Veranstaltung fand im Februar 2014 in der Universitätsbibliothek Kassel statt. Interessierte Institutionen erarbeiteten im Anschluss daran unter Leitung von Dr. Brigitte Pfeil (Universitätsbibliothek Kassel) auf der Basis bereits bewährter Notfallpläne anderer Notfallverbünde in Deutschland ein gemeinsames Konzept. Dies sieht nicht nur die gegenseitige Unterstützung im Ernstfall vor, sondern auch die kontinuierliche Notfallvorsorge, die Einbindung der örtlichen Feuerwehr wie auch die für eine fachgerechte Bergung und Erhaltung erforderliche Ausrüstung. Im Bedarfsfall stehen in kürzester Zeit alle notwendigen Geräte und Gegenstände zur Sicherung der Bergungsstelle, zum Schutz des eingesetzten Fachpersonals und vor allem zum fachgerechten Transport beschädigter Kulturgüter vor Ort bereit. Zum Konzept gehören darüber hinaus die Erstellung und Pflege aktueller gebäudespezifischer Notfallpläne von allen Einrichtungen, Alarmierungslisten und Bergungspläne mit Rettungsprioritäten. Auch regelmäßige Schulungsmaßnahmen zur Brandbekämpfung und gemeinsame Bergungsübungen sind darin vorgesehen.

Die Anschubfinanzierung zur Anschaffung erforderlicher technischer Ausrüstung für den Verbund konnte zum großen Teil aus Fördermitteln der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) und aus Eigenmitteln der teilnehmenden Einrichtungen gewährleistet werden.

Vizepräsident Dr. Volker Knöppel erläuterte für die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck, die mit drei Institutionen vertreten ist, die Landeskirche unterstütze das Vorhaben auch deshalb, weil beim Bombenangriff auf Kassel 1943 die Erfahrung eines Totalverlusts gemacht wurde.

Teilnehmende Institutionen:

Documenta und Museum Fridericianum gGmbH, Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck – Landeskirchliches Archiv Kassel – Landeskirchliche Bibliothek Kassel – Predigerseminar der EKKW Bibliothek Hofgeismar, Hessisches Staatsarchiv Marburg – Archiv der Dt. Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, International Tracing Service Arolsen, Internationale Louis Spohr Gesellschaft e.V., Kassel Landeswohlfahrtsverband Hessen Kassel, Museumslandschaft Hessen Kassel, Stadt Kassel – Stadtarchiv Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung, Kassel Universität Kassel – Universitätsbibliothek Kassel

Hessischer Archivpreis 2016 an Dr. Konrad Wiedemann für ehrenamtliches Engagement im Landeskirchlichen Archiv Kassel

Gestiftet wird der Archivpreis von der Hessischen Landesregierung und der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen.

Die Preisträger werden von einer Jury ausgewählt. Diese setzt sich zusammen aus Vertretern des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, des Hessischen Landesarchivs, dem Vorstand des VdA-Landesverbandes Hessen und dem Verband der Kommunalarchive in Hessen.

Der Preis für das Ehrenamt ist mit 3.000,- € dotiert und wird in diesem Jahr an zwei Preisträger verliehen. Die Preisverleihung wird im Dezember in Bad Soden Salmünster stattfinden, da das dortige Stadtarchiv den diesjährigen Institutionenpreis erhalten wird.

Dr. Konrad Wiedemann beim Erschließen eines Fragments im Landeskirchlichen Archiv Kassel, Foto: Wischhöfer

Dr. Konrad Wiedemann beim Erschließen eines Fragments im Landeskirchlichen Archiv Kassel, Foto: Wischhöfer

Dr. Konrad Wiedemann, Bibliotheksdirektor a.D. und ehemaliger Leiter der Handschriftenabteilung der Murhard´schen Bibliothek Kassel (Universitätsbibliothek), engagiert sich seit 2003 bei der Erschließung von mittelalterlichen Einbandfragmenten in kirchlichen Archiven aus Kurhessen-Waldeck. Er erschließt Pergamenteinbände von Kirchenrechnungen und Kirchenbüchern hauptsächlich des 16. und 17. Jahrhunderts.
Inzwischen sind rund 700 Fragmente bestimmt, darunter Kostbarkeiten des 8. bis 11. Jahrhunderts, Hebraica, mittelhochdeutsche und altfranzösische Texte sowie Wiegendrucke.

Die Ergebnisse des Projekts, die auch die Digitalisierung der Stücke durch das Landeskirchliche  Archiv beinhaltet, werden nach ihrem Abschluss online in Verknüpfung mit dem Archivportal-D einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Ohne Herrn Wiedemann, sein enormes Spezialwissen und großes ehrenamtliches Engagement hätte dieses ambitionierte Projekt nicht realisiert werden können!

Infos zum Stand des Projekts in: Archivnachrichten aus Hessen Nr. 15 / 2015, S. 48-54.

Verband kirchlicher Archive auf YouTube

Ein Imagefilm ist ein kurzer Filmclip, der in werbender Absicht ein Unternehmen, eine Institution, eine Marke oder ein Produkt porträtiert. Wenn Archive oder – wie hier der Fall – ein Zusammenschluss von 65 evangelischen Archiven, das Medium Film mit seinem großen Potential der Massenwirksamkeit nutzen, dann geht es darum, das Image zu verbessern bzw. überhaupt ein Image zu entwickeln.

Der Verband kirchlicher Archive in der Arbeitsgemeinschaft Archive und Bibliotheken in der evangelischen Kirche (AABevK) hatte im November 2015 in einer Vorstandssitzung in Nürnberg eine kleine Arbeitsgruppe beauftragt, Ideen zur Erstellung eines Imagefilms über den Verband kirchlicher Archive zusammenzutragen. Angesichts der Vielfalt der evangelischen Archiveinrichtungen wurde ein Konzept für einen Trickfilm erarbeitet. Diese erlaubte abstraktere Möglichkeiten der Darstellung.

Der Clip entstand von Mai bis August 2016 in Kooperation mit der Trickfilmklasse der Kunsthochschule Kassel. Seit Ende August 2016 ist er auf Youtube eingestellt.

Daten zum Clip:
Länge: 0:50 min.
Technik: 2D Digitaler Zeichentrick
Konzept und Animation: Christina Dix, Delia Krohmer Sanchez, Florian Maubach (Kunsthochschule Kassel)
Betreuung: Prof. Martina Bramkamp, Dr. Bettina Wischhöfer
https://www.Youtube.com, Stichwort Verband kirchlicher Archive

Die Story …

Den kompletten Artikel können Sie unter AUGIAS.net nachlesen.

15 Jahre Volunteering im Landeskirchlichen Archiv Kassel – special thanks to Christian Hilmes

Hilmes-Ehrung

Christian Hilmes erzählt der hoffnungsvollen Jugend spannende Geschichten, die er bei seiner Arbeit im Archiv erlebt (Besuch einer Grundschulklasse im Landeskirchlichen Archiv Kassel im Mai 2008) Foto: Wischhöfer

 

Volunteering wird als eine altruistische Aktivität beschrieben – eine Person bietet einen freiwilligen Dienst ohne finanzielle Vergütung an. Von diesem Dienst profitiert der ehrenamtliche Mitarbeiter (volunteer) ebenso wie die Institution, in der er tätig ist, und die Allgemeinheit.

Die oben beschriebene Win-Win-Situation genießt das Landeskirchlichen Archiv Kassel seit fünfzehn Jahren. Seit 2001 ist Dekan i.R. Christian Hilmes in der Lessingstraße 15 A   ehrenamtlich tätig. Er ordnete und verzeichnete bisher dreißig Bestände in 15.151 Verzeichnungseinheiten, gewöhnlich an zwei Tagen in der Woche.

Zumeist waren es Pfarrarchive, deren historischer Wert unter seinen Händen wieder angemessen an das Tageslicht trat. Aber auch mit Spezial-Beständen hat sich Hilmes erfolgreich auseinandergesetzt, erwähnt seien hier zum einen die anspruchsvolle Einzelblatt-Verzeichnung des Nachlasses des Kirchenmusikkomponisten Herbert Beuerle, die u. a. 2.200 Kompositionen enthielt (darunter zahlreiche Autographen und bisher unveröffentlichte Werke), und zum anderen die Erfassung der Mitgliederkartei der Marburger Bekenntnisgemeinde. Überliefert sind hier knapp 1.900 „Rote Karten“, die einen seltenen Blick auf die Jahre des Kirchenkampfes 1934 bis 1938 erlauben. Diese wie auch die übrigen erschlossenen Bestände sind online recherchierbar unter www.archivportal-d.de.

Auf Initiative der Archivleiterin erhielt Hilmes 2005 den erstmals vergebenen „Hessischen Archivpreis für ehrenamtliches Engagement“ in Pfungstadt. Den mit 1.000,- € dotierten Preis erhielt er aus der Hand des Staatssekretärs des hessischen Wissenschaftsministeriums.

Das Landeskirchliche Archiv Kassel gratuliert dem volunteer Christian Hilmes ganz herzlich zum 80. Geburtstag! Wir wünschen ihm (und uns) alles Gute für das neue Lebensjahrzehnt, interessante Einsichten und weiterhin viel Freude beim Erschließen im Landeskirchlichen Archiv Kassel. Möge die Win-win-Situation noch lange andauern!